Ausstellung – Pflege und Kunst

Kunstprojekt „PFLEGE und KUNST“ an der Karoline-Breitinger-Schule in Künzelsau im Schuljahr 2014/15

Gotthard Wirth, Erster Landesbeamter des Hohenlohekreises hat am Mittwochnachmittag (28.10.15) die Ausstellung „Pflege und Kunst“ eröffnet. Wirth zeigte sich beeindruckt von der Kreativität der Künstler: „Die heutige Ausstellung macht uns die tägliche Arbeit, die eine Pflegekraft leistet, nochmals bewusst. Daher kann man die vielfältige Arbeit dieser Fachkräfte nicht genug würdigen“. Die Werke zeigen die Vielschichtigkeit und die hohen Anforderungen des Pflegeberufes auf und stellen positive wie negative Auswirkungen im Bereich Pflege dar. Volker Stephan, Schulleiter der Karoline-Breitinger-Schule Künzelsau, dankte den Auszubildenden und Lehrern für ihr Engagement und freute sich über die gelungene Ausstellung. Die Pflegelehrerinnen der Karoline-Breitinger-Schule Künzelsau, Bettina Müller und Renate Schallwig, stellten das von ihnen betreute Kunstprojekt vor. Im Anschluss führten die Künstler und ehemaligen Auszubildenden Petra Lokau, Yvonne Sanwald und Dorothee Fleckenstein, durch die Ausstellung und erklärten den Besuchern die einzelnen Werke. Gleichzeitig verwöhnten Schülerinnen und Schüler der zweijährigen Berufsfachschule Ernährung und Gesundheit mit dem Profil: Hauswirtschaft und Ernährung, die Besucher mit selbsthergestellten Kanapees.

Die Auszubildenden der Dreijährigen Berufsfachschule für Altenpflege beschäftigten sich im Schuljahr 2014/15 im Lernbereich „Unterstützung alter Menschen bei der Lebensgestaltung“ intensiv mit der Fördernden Prozesspflege der renommierten Professorin für Pflegewissenschaften Monika Krohwinkel.

Die Klassenlehrerin Frau Renate Schallwig organisierte die Teilnahme an einem Seminar der Firma „GODO Systems GmbH, Software GO ON“ im Bürgerhaus Backnang mit Frau Professor Krohwinkel und so konnte die gesamte Klasse am 24. und 25. November 2014 an diesem pflegerischen Event teilhaben und das Konzept der fördernde Prozesspflege als konzeptuelles und handlungsorientiertes System direkt aus dem Mund der Initiatorin erfahren.

Das ABEDL-Strukturenmodell von Frau Professor Krohwinkel ist formal das meist verbreitete Modell in der Altenhilfe im deutschsprachigen Europaraum. Es bildet die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ressourcen des Menschen ab und dient als Erfassungs- und Datenzuordnungsinstrument mit dem der individuelle Pflegebedarf erkannt und benannt werden kann. Krohwinkel definiert 13 ABEDLs (Aktivitäten, Beziehungen und existentielle Erfahrungen), die miteinander in Beziehung stehen, aber keine hierarchische Struktur aufweisen. Mit dieser Einteilung wird die Dokumentation des Pflegeprozesses ermöglicht, beispielsweise die strukturierte Erstellung einer Pflegeanamnese oder einer Pflegeplanung ermöglicht.

Ziel ist es, die größtmögliche Unabhängigkeit des zu pflegenden bzw. zu begleitenden Menschen zu erreichen. Dies geschieht durch:

  • Handeln für den pflegebedürftigen Menschen
  • Leiten und Führen
  • Sorge und fördernde Umgebung
  • Unterstützung des pflegebedürftigen Menschen
  • Anleitung, Beratung, Einbeziehung und Förderung des pflegebedürftigen Menschen
  • Eine oder mehrere Bezugspersonen

Im Fachbereich Aktivierung und Rehabilitation verinnerlichten die Auszubildenden zusammen mit ihrer Fachlehrerin Bettina Müller nochmals intensiv das ABEDL Strukturenmodell. Hier wurde die Idee für das Projekt PFLEGE und KUNST geboren. Gute Pflege ist im wahrsten Sinne eine sehr hohe Kunst mit einem großen Qualitätsanspruch, aber nicht immer einfachen Rahmenbedingungen für alle Beteiligten.

Im Aktivierungsunterricht beschäftigten sich die Auszubildenden mit verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten im hand- und kunst-handwerklichen Bereich, dem Einsatz verschiedener Werkmaterialien und der Farbenlehre sowie der Entwicklung von Kreativität und Kunstverständnis in Bezug auf die Arbeit mit Senioren. Dabei galt es, die von Monika Krohwinkel entwickelten ABEDLs in Kunstobjekte auf verschiedengroße Leinwände umzusetzen. Jede/r Auszubildende/r befasste sich intensiv mit einem ABEDL zum Bsp.: „Sich bewegen und dabei mit existentiellen Erfahrungen umgehen können“ oder „Schlafen, ruhen und entspannen und dabei fördernde Erfahrungen machen können“ und beleuchtete dessen Inhalt hinsichtlich Sinn und Zweck, aber auch der Problematik und Schwierigkeiten im Pflegealltag sowie in Bezug auf die Wünsche und Bedürfnisse der zu betreuenden Menschen.

Im Rahmen dieses Projektes konnte Frau Müller die Kunsttherapeutin Frau Franziska Wolfer aus Michelbach an der Bilz als Beraterin gewinnen. Frau Wolfer hat sich intensiv mit der therapeutischen Anwendung von „Kunst in Bezug auf Malen und Gestalten mit Senioren und Menschen mit Demenz“ beschäftigt.

Zunächst wurde für jede Arbeit ein Konzept entwickelt, welches dem Klassenplenum, der Kunsttherapeutin und der Fachlehrerin vorgestellt wurde. Dabei gab es viele Ergänzungen zu den jeweiligen Themen und es entstanden unzählige Diskussionen über viele von den Auszubildenden   selbst gemachten Erfahrungen in ihrem pflegerischen Alltag und den vielen Hürden, die ihnen täglich begegnen. Diese müssen durch ein professionelles, kompetentes und verantwortliches pflegerisches Handeln zum Wohle der anvertrauten Menschen angewendet und umgesetzt werden, was im hektischen Pflegealltag nicht immer leicht ist und viele Pflegekräfte täglich neu herausfordert.

All diese Gedanken und Gespräche führten schließlich dazu, dass es den Auszubildenden nach anfänglichen Schwierigkeiten gar nicht mehr so schwer fiel, ihre Ideen zu den einzelnen Lebensaktivitäten in Form von Kunst auf ihre Leinwände zu plazieren und mit verschiedenen Werk- und Gestaltungstechniken zu unterstreichen.

Das Resultat war dann auch sehr vielschichtig und eindrücklich. Insgesamt zog sich das Projekt durch das gesamte erste Schulhalbjahr. Obwohl in diesem Jahr die Abschlussprüfungen bevorstanden, ließen sich die Auszubildenden mit großem Engagement auf dieses Projekt ein. Nach Abschluss erhielt jeder Auszubildende die Aufgabe sein „Werk“ vor der Klasse zu präsentieren. In Absprache mit den Auszubildenden wurden die Arbeiten wie eine Klassenarbeit bewertet. Aufgrund des guten Klassenklimas und der tollen Motivation für dieses Projekt gelang es, die Auszubildenden in eine gemeinsame Bewertung einzubeziehen. Die Auszubildenden erhielten durchweg ein positives Feedback der Mitschüler und waren sichtlich stolz auf das Geleistete.

Einige der Auszubildenden, die sich im Vorfeld nicht vorstellen konnten, selbst ein „Kunstwerk“ zu erschaffen und sich keinerlei Kreativität zutrauten, konnten durch dieses Projekt erleben, dass in jedem Menschen ungeahnte Fähigkeiten schlummern. Manchmal bedarf es eben eines kleinen Anstoßes um diese ans Tageslicht zu bringen.

Die entstandenen Objekte sollten anschließend im Flur des Pflegebereichs der Schule in der Mainzer Straße ausgestellt werden. Aufgrund von Brandschutzbestimmungen wurde diese Absicht zunächst verschoben und es entstand die Idee die Arbeiten der Auszubildenden im Rahmen einer Ausstellung im Foyer des Landratsamtes einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen. Unser Ziel ist es, dadurch einen kleinen Einblick in die Vielschichtigkeit und die hohen Anforderungen, die sich in der Berufswelt von Pflegekräften und Betroffenen tagtäglich stellen zu gewähren und aufzuzeigen, welch große Herausforderungen wir Alle in der Zukunft zu bewältigen haben.

Die Ausstellung ist vom 29.Oktober bis 20. November 2015 im Foyer des Landratsamtes zu besichtigen.

 

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